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Werden neue Technologien Blinde sehen* und Lahme gehen** lassen? Wo werden wir „Schenkungen“ erleben – also hohen Output nach geringem Input? Werden wir Tote auferwecken – und sei es nur deren digitaler Geist?

Sicher scheint, dass die Jungenträume der heutigen Milliardärs-Generation durch neue Fortschrittsbilder abgelöst werden.

Wir sprechen daher nicht vom Flug zum Mars. Die nächsten Fortschrittsbilder kommen nicht aus Star Trek, sondern aus dem Neuen Testament.

Fortschrittsbilder 2024

Implantismus

Wirklich fremd sind uns Implantate schon lange nicht mehr. Zahn-Implantate aus Quarz, Elfenbein und Holz gab es schon vor tausenden Jahren, Hörgeräte werden seit Jahrzehnten implantiert, Cochlea Implantate, die direkt mit dem Hirnstamm interagieren sind bereits in Verwendung. Warum empfinden wir den Bruch der Mensch-Maschine-Barriere trotzdem noch als zu weit hergeholt?

Warum fällt es uns so schwer, vorauszusehen, welche technologischen Entwicklungen für unser berufliches Umfeld relevant sind? Die Diskussion um neue Trends ist doch allgegenwertig – trotzdem gelingt es uns nicht voranzuschreiten. Sind wir nicht klug genug, sind wir zu weit weg von Palo Alto, sind wir zu alt. Woran liegt es?

Begeisterung und Enttäuschung

Wir neigen dazu, den kurzfristigen Einfluss einer Technologie zu überschätzen und ihren langfristigen Einfluss zu unterschätzen. Wir begeistern uns, sind dann enttäuscht und verlieren es aus den Augen. Rückblickend müssen wir uns eingestehen: Welche Entwicklung auch immer, wir waren informiert, wir waren vorgewarnt, aber fehlende unmittelbare Nutzbarkeit oder technische Ausgereiftheit haben unser Interesse schwinden lassen.

Von der Normalität zur neuen Normalität

Der Weg der Normalität zur neuen Normalität wird gleichermassen begleitet von Neugierde und Hoffnung, als auch von Widerstand und Ablehnung.

Wer kennt das nicht so oder so ähnlich? Einer in der Runde spricht voller naivem Enthusiasmus eine neue Technologie an, der von der Gemeinschaft als Meinungsmacher akzeptierte erfahrene Kollege kontert umgehend mit „kenn ich und langweilt mich schon seit Jahren, da kommt nichts, was für uns eine Bedeutung hat“.

Das Überraschungsmoment war für den Meinungsmacher bereits aufgebraucht. Als Gemeinschaft müssen wir uns aber davor hüten, zu wenig Neues zu erwarten und mögliche Entwicklungen als zu weit hergeholt zu betrachten.

Der Umgang mit der Unsicherheit

Technologischer Wandel entwickelt sich exponentiell.

Im Falle der Software haben wir in den Jahren 1995 bis 2000 zu früh zu viel erwartet, inzwischen sind viele der scheinbar dummen Ideen von 2000 normaler Bestandteil des täglichen Lebens geworden.

Das Smartphone hat uns ein weiteres Mal überrumpelt. Im Ausschnitt der mobilen Nutzung des Internet konnten wir aufholen, jetzt wollen wir uns nie wieder überrumpeln lassen. Unser aller Umgang mit der Unsicherheit muss sich daher ändern.

Disruptive softwarebasierte Innovationen erkennen

Die meisten Auswirkungen von Software treten uns verkleidet entgegen.

Genomik und Nanotechnolgie beispielsweise scheinen sich auf Biologie und Materialwissenschaft zu begründen – auf den 2. Blick erkennt man, dass die neuen Entwicklungen und Möglichkeiten durch Software eröffnet wurden.

Finanzinnovationen, die preiswertere Versicherungen und Kredite ermöglichen, sind verkleidete Softwareinnovationen.

Der Thermostat von Googles „Nest“ spart keine Energie durch neue Entdeckungen in der Thermodynamik, sondern durch Algorithmen des maschinellen Lernens.

Konsequenzen durch neue Infrastruktur berücksichtigen

Das selbstfahrende Auto ist ein Zukunftsthema. Nein, hört man, das ist doch längst Gegenwart – aber für uns weder spannend noch relevant. Richtig, keiner von uns baut selbstfahrende Autos oder programmiert deren Software.

Die hochspezialisierte Software für den Dialog mit den Sensoren und zur Steuerung der Fahrzeuge wird von uns auch in ferner Zukunft nicht entwickelt werden, warum sollten wir uns dann damit beschäftigen?

Isoliert betrachtet hat das einzelne selbstfahrende Auto tatsächlich keinen Bezug zu unserem beruflichen Umfeld.  Wenn das selbstfahrende Auto aber flächendeckend Wirklichkeit wird, entsteht eine geradezu magische neue Technosphäre.

Die Konsequenzen einer neuen Technosphäre haben wir mit der Einführung des iPhone erlebt – unvorstellbar weit weg erscheint uns die Zeit und die Gesellschaft davor. Die Auswirkungen der entstehenden Technosphäre von flächendeckenden selbstfahrenden Autos sind im Vergleich mit Smartphones kaum vorstellbar – aber es wird passieren und unser berufliches Umfeld prägen. Das private sowieso.

Jetzt aber!

Wenn im nächsten jährlichen Strategiemeeting ein neuer Kollege das Wort ergreift und von Augmented Reality spricht, werden wir uns bitte in die Zunge beissen – auch wenn wir es gefühltermassen zum 15 Mal gehört – und genauso oft als irrelevant eingestuft haben.

Der Kollege nach nämlich einfach Recht. Es wird passieren. Und deshalb schreiben wir es auf unser Whiteboard.

Und gleich daneben schreiben wir …

Zauberspiegel, Babelfisch, Tarnkappe, Replikator, Pinocchio-Nase und Kommunismus 2.0.***

Neue Technologien sind für uns immer relevant. Weil auch wir durch sie relevant sein können. Weil wir durch den Einsatz neuer Technologien etwas verändern können. Nichts ist motivierender als den Sinn in unserem Schaffen zu erkennen. Sobald uns klar wird, dass wir wirklich etwas zum Besseren verändern können, braucht es keine weiteren Massnahmen zur Förderung von Kreativität, Effektivität und Motivation.

Jetzt aber! Wenn im nächsten jährlichen Strategiemeeting ein neuer Kollege das Wort ergreift und von Augmented Reality spricht, werden wir uns bitte in die Zunge beissen – auch wenn wir es gefühltermassen zum 15 Mal gehört – und genauso oft als irrelevant eingestuft haben.

Norbert Kathriner
  • Zauberspiegel: Ein Gegenstand aus unserem Alltag verfügt über schier unbegrenztes Wissen und kann mit uns darüber kommunizieren.
  • Babelfisch: Wir können mit Menschen in jeder beliebigen Sprache kommunizieren.
  • Tarnkappe: Wir entscheiden selbst, für wen wir sichtbar sind.
  • Replikator: Jedes beliebige Produkt kann von einer Maschine im Handumdrehen hergestellt werden.
  • Pinocchio-Nase: Emotionen werden transparent – man erkennt sofort, ob jemand lügt oder was jemand denkt.
  • Kommunismus 2.0 – vom alltäglichen Teilen von Ressourcen.
Elon Musk

Fazit, oder welches Pferd mich hier geritten hat…

In diesem Artikel unterstreiche ich, dass sich technologischer Wandel exponentiell vollzieht und betone die Wichtigkeit, aus vergangenen Mustern zu lernen. Wir dürfen nicht weiterhin in die Falle tappen, anfängliche Begeisterung für neue Technologien schnell in Enttäuschung umschlagen zu lassen und sie voreilig beiseite zu schieben. Vielmehr sollten wir erkennen, dass echte Innovation Zeit braucht, um ihr volles Potenzial zu entfalten. Es ist essenziell, dass wir unsere Einstellung anpassen und offen bleiben für die langfristigen Möglichkeiten, die sich durch technologische Entwicklungen ergeben.

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